Der Thor Heyerdahl der Borkenkäfer
Ips schmutzenhoferi – Käfer, Schädling, Freund
Abseits von Hofratskarrieren, Titelambitionen und Würdenträgerverehrungen ist ein verschütteter seit längerem und (zu Unrecht!) vielleicht etwas belächelter Werdegang von globaler Relevanz in der Forstentomologie und Koleopterologie in den Fokus „Nordgaus HiSociety“ gerückt.
Ein bodenständiger, studierter Forstwirt namens Heinrich Schmutzenhofer (v. Odysseus) steht im Mittelpunkt dieses neuentdeckten „Gschichtls“ und sein anektodenreiches Leben verdient breiteres Publikum.
Seine Lebensstationen erstrecken sich – kurz angeschnitten – von der Forstlichen Versuchsanstalt als Leiter der Forstlichen Entomologie bis zum Generalsekretär der IUFRO (International Union of Forest Research Organizations) in Wien. Er war und ist eine weltweit geachtete Koryphäe auf den Gebiet der Insektenkunde, daher war „Schmutzi“, wie ihn seine Generation nennt, auch in vielen Teilen der Welt als Experte für Borkenkäfer unterwegs. Die Erforschung und auch Vernichtung im Auftrag der Welternährungsorganisation (FAO) der United Nations führte ihn in Länder und Gebiete Südasiens und auch Südamerikas, die zu dieser Zeit noch wenig erforscht und bereist wurden. Davon zeugen seine urtümlich gefärbten Anekdoten seiner ethnologischen Beobachtungen. Aufmerksamkeit erregt aber jene Entdeckung einer verwandten Art des Borkenkäfers (Art: Buchdrucker) in Bhutan, welcher nunmehr offiziell seinen Namen trägt: der „Ips schmutzenhoferi“ ein besonders bedeutender Forstschädling in dieser Region, welcher Forstwissenschaftler immer noch intensiv beschäftigt, wie eine Google-Suche im Internet eindrucksvoll beweist.
Der „Thor Heyerdahl“ der Borkenkäfer ist mittlerweile in Pension, aber anscheinend immer noch als gefragter „Käfervernichter“, Vortragender und Weltreisender tätig. So berichtet eine verlässliche Quelle (aus den Reihen unserer Verbindung), dass er nach einem Schädlingsbefall in seinem Weinviertler Garten die freundschaftliche Expertise von Dipl. Ing. Schmutzenhofer eingeholt hat. Dieser sei am nächsten Tag mit einer Abordnung von Wissenschaftlern der Universität für Bodenkultur wieder aufgetaucht und habe den Baum tagelang observieren lassen, um das erste Auftreten dieses Schädlings in Mitteleuropa ausschließen oder nachweisen zu können. Kolportiert wird auch sein Engagement als Vorkämpfer für den Käfer als alternative Nahrungsquelle und wohlschmeckende Delikatesse in unseren Breitengraden. Die Gelegenheit ihn näher kennenzulernen und seinen Schnurren zu folgen sollte auf jeden Fall angestrebt werden.
Jegliche maßlose Übertreibung, übertriebene Glorifizierung und mystische Verklärung in dieser Kolumne ist erwünscht und beabsichtigt. Gerhard Labschütz

Hervorragender Beitrag, klingt sehr spannend und aufregend. Befasse mich beruflich unter anderem ebenfalls mit Borkenkäfer und würde daher den Käfer samt Entdecker zwecks Meinungsaustausch gerne persönlich kennenlernen. LG Anton Kührer