Maki nach dem Officium
Ein Nordgauer bei Edo-Rhenania Tokio
Eine Semesterabschlusskneipe, bei der man das Bier nur anderen, nie sich selbst einschenkt, bei der nach Ende des Offiziums Maki serviert wird und deren Präsidium Satoshi Ozawa innehat, nährt im aufmerksamen Couleuriker den Verdacht, sich nicht in der Kolingasse 2 zu befinden. Aufgrund eines derzeitigen Forschungsaufenthaltes in Tsukuba, 60 Kilometer nordöstlich von Tokyo, hatte ich am 30. Jänner die Möglichkeit, die Abschlusskneipe e.v. AV Edo-Rhenania zu Tokyo besuchen zu können und somit eine der seltenen Studentenverbindungen in unserem Sinne außerhalb Europas (inklusive Großbritannien) kennenzulernen. Obwohl einige tausend Kilometer von der Heimat des Couleurstudententums entfernt, kommen in Tokyo Japaner (die das Couleurstudententum oft in Deutschland kennengelernt haben), Deutsche und Österreicher (die es aus verschiedenen Gründen weit nach Osten verschlagen hat), zusammen, um in zweitbester (deutscher Comment) couleurstudentischer Tradition das Semesterende zu begehen.
Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten (jeder, der das japanische Adresssystem kennt, wird mich verstehen) erblickte ich mit couleurstudentisch geschultem Auge zwei verdächtige Personen westlichen Phänotyps, die nach drei dreister werdenden Fragen meinerseits („Do you speak English?“ – „Do you speak German?“ – „Are you CV?“) als Couleurstudenten aus Mannheim und Graz und außerdem ortskundig entlarvt werden konnten (Ich bin mir der Sinnlosigkeit des Gebrauchs der englischen Sprache in der dritten Frage durchaus bewusst, um die Seriösität dieses Berichts nicht zu gefährden verzichte ich allerdings auf Beschönigungen).
Die Kneipe wurde in deutscher Sprache geschlagen, bei der sehr persönlichen und ergreifenden Rede zum Gedenken an ein kürzlich verstorbenes Ehrenmitglied, den ehemaligen Erzbischof von Tokyo, Peter Seiichi Kardinal Shirayanagi, kam noch eine japanische Übersetzung dazu, da nicht alle Edo-Rhenanen vollkommen sattelfest in der deutschen Sprache sind.
Nach der Kneipe folgte noch eine Farbenstrophen-Parade, bei der die anwesenden Kartellbrüder erst ihre Burschenstrophe zum Besten geben durften und anschließend zum Zwecke des gegenseitigen Kennenlernens Fragen aus der Corona beantworteten (weniger die nach einer etwaigen Schwester, sondern eher in Richtung Zweck des Aufenthaltes, Japanischkenntnisse,… gehend).
Studentenverbindung oder nicht, Japan bleibt in gewissen Bereichen des Lebens eben Japan und so war um neun Uhr Abends der Saal zu verlassen. Japan oder nicht, Studentenverbindung bleibt in gewissen Bereichen des Lebens eben Studentenverbindung und so nahm ein Großteil der Anwesenden dies zum Anlass, ein nahegelegenes Lokal aufzusuchen, um dort den Abend noch gemütlich bei Bier und Gesprächen über Japaner in Österreich/Deutschland, Österreicher in Japan, Gott und die restliche Welt ausklingen zu lassen.
Für mich war die heurige Semesterabschlusskneipe ein rundum gelungener und hochinteressanter exotischer couleurstudentischer Abend. Ich danke den Kartellbrüdern der Edo-Rhenania für diese Erfahrung und kann jedem, der zur richtigen Zeit in Tokyo weilt, wärmstens empfehlen, Edo-Rhenania zu Tokyo einen Besuch abzustatten.
Mag. David Geist v. Chrysostomos, NdW


Nach dem aufmerksamen Studium der neuen Homepage (die alte HP ist auch noch Online) und der Ansicht ihrer Gallery ist festzustellen, dass japanische Couleurstudenten “Gruppenfotos” lieben.
Danke für deinen Besuch bei Edo, dass eröffnet seit längeren wieder neue exotische Einblicke.