„Ewig“, das Geheimnis des Kaiser Friedrich III.
Dan Browns Verschwörungstheorien auf Wienerisch, nur besser. Eine Rezension von Gerhard Labschütz.
Die Autoren Gerd Schilddorfer und David Weiss schrieben einen an “Da-Vinci-Code” oder “Illuminati” erinnernden Krimi über Verschwörungstheorien und Geheimnisse des mittelalterlichen Wien. Bis ins Heute reichen die Kämpfe zwischen einem pseudokatholischen Ritterorden und der chinesischen Militärführung… Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Habsburger Friedrich III. und sein berühmter Wahlspruch AEIOU, um den eine interessante Rätselrally durch Wien und Umgebung gestrickt wird. An die 200 Erklärungen gibt es für diese Buchstabenreihe, die der Kaiser an zahllosen Orten in Österreich hinterlassen hat. Im Buch liegt die erste Leiche genau unter diesen Geheimcode in der Ruprechtskirche. Ein Journalist und ein Historiker treten auf den Plan, um das Geheimnis Friedrichs zu entschlüsseln und weitere Morde zu verhindern. Im weiteren Verlauf der Schnitzeljagd gelingt ihnen das nur mäßig. Vielmehr geraten sie immer tiefer in die Verschwörung um Kaiser Friedrich und werden letztlich selbst zu Gejagten. Denn die beiden Titelhelden sind natürlich nicht die einzigen, die Friedrichs Geheimnis lüften wollen. Auch der israelische Geheimdienst Mossad oder die „Beschützer des Geheimnisse“, ein alter, vom Kaiser eingesetzter, Geheimorden, haben die Finger im Spiel…
Schilddorfer und Weiss haben sich bei ihrer Recherche außerordentlich bemüht und leisten sich kaum logische Ungereimtheiten, wie wir sie aus so manchem internationalen Thriller kennen. Das macht den Reiz dieses Buches aus – auch die Autoren selbst zu überprüfen und sich so auf eine eigene Schnitzeljagd durch Wiens Geschichte zu begeben. Die Geschichte ist tatsächlich sehr an Dan Browns Verschwörungsschmökern angelehnt und spielt ebenfalls mit vielen (fast) realistischen Handlungssträngen, die zum Ende des Buches nicht alle zusammengeführt werden. Aber in Gegensatz zum Sakrileg-Autor möchten Schilddorfer und Weiss nicht „wahre“ Verschwörungen enthüllen, sondern versetzen falsche oder scheinbar wahre Thesen in eine verschwörerische Umgebung und erzeugen dadurch um einiges mehr Lesespaß als irgendwelche altbekannten Opus-Dei Enthüllungen.
„Ewig“ ist großes Lesevergnügen – vor allem für den Wiener und die Wienerin oder in Wien Lebende, die gerne Neues erfahren möchten über Kaiser Friedrichs III und die Spuren, die er (in) Wien hinterlassen hat. Man kann sich dann gerne selbst auf die Suche nach dem einen oder anderen Geheimnis machen. <>
PS: Das Buch wäre für eine Verfilmung bestens geeignet. Aber bitte nicht mit Tom Hanks als Hauptdarsteller.
Ewig. Roman von Gerd Schilddorfer und David Weiss, LangenMueller Verlag, 2009, 528 Seiten.